CHIO Aachen: Siege für Fredenbeck, Boe und Brüsewitz

Deutsche Pas-de-Deux in Führung / Nationenpreis mit zwei deutschen Teams am Sonntag

Aachen (fn-press). Sensation beim CHIO Aachen: Die Voltigier-Mannschaft des RV Fredenbeck hat den Teamwettbewerb gewonnen. Die Gruppe vom Landesverband Hannover setze sich in der Albert-Vahle-Halle dank einer starken Kür durch. Auch in den Einzelwettbewerben blieb der Wettkampf in der Soers fest in deutscher Hand. Bei den Damen gewann Kristina Boe (Hamburg), im Herrenwettbewerb triumphierte Thomas Brüsewitz (Köln) zum dritten Mal in Folge.

Nach der Pflicht hatte die Mannschaft von Longenführerin und Trainerin Gesa Bührig noch auf Platz drei gelegen. Doch mit der mit großem Abstand besten Kür des Tages schoben sich die Schützlinge vom Landesverband Hannover, die erstmals überhaupt das Ticket für den CHIO von Bundestrainerin Ulla Ramge (Warendorf) und der Arbeitsgruppe Spitzensport des DOKR erhalten hatten, noch auf das Siegerpodest vor und starteten damit bei ihrer Aachen-Premiere von null auf hundert durch.
Eine Wertung von 8,689 Punkten brachte den Fredenbeckern – bestehend aus Viktor Brüsewitz, Kevin Greiner, Magdalena Holysz, Mirja Krone, Wienke Rademakers und Malte Möller – mit ihrem Pferd Wizaro insgesamt 7,858 Zähler und bedeutete den klaren Sieg. Die Gruppe konnte ihr Glück kaum fassen. „Unbeschreiblich. Ich durfte schon ein paar Mal hier in Aachen an den Start gehen, doch so weit vorn stand noch nie. Das ist schon cool, wenn die deutsche Fahne für dich hochgezogen wird. Ich glaube, das ist eigentlich genau das, wofür jeder Sportler am Ende kämpft und es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl“, sagte Teammitglied Viktor Brüsewitz. „Heute war es schon ganz gut und morgen im Nationenpreis wollen wir das Gefühl, das wir haben, noch mehr ans Publikum bringen und mit einem super strahlenden Lächeln und Freudentränen auslaufen“, ergänzte Malte Möller, der erst vor wenigen Wochen zur Mannschaft stieß und den verletzten Tom Vollmer ersetzt.
Platz zwei im Preis der Sparkasse sicherte sich das Team Norka des Voltigiervereins Köln-Dünnwald. Die Mannschaft von Longenführer Patric Looser – die beim CVI Krumke vor vier Wochen das Ticket zu den Weltreiterspielen nach Tryon gelöst hatte – erkämpfte sich am Freitag auf dem Rücken von Picardo mit 7,363 Punkten die Führung in der Pflicht. In der heutigen Kür unterlief den Rheinländern jedoch ein Missgeschick, als Picardo mitten in der vierminütigen Choreografie plötzlich stehen blieb und Looser einige Momente benötigte, ehe der 12-jährige Westfale wieder im Galopp-Modus war. Mit 7,998 Punkten für die ansonsten starke Kür verbuchten die Kölner in der Gesamtwertung 7,68 Punkte und rangierten damit auf Platz zwei. Die zweitbeste Kürnote des Tages (8,166) kassierte das Team UVT Eligius. Die Österreicher kamen in der Endabrechnung auf 7,624 Punkte. Das Team C.I.M. Aus Italien landete auf Rang vier (7,484), gefolgt von den Pacific Coast Vaulters aus den Vereinigten Staaten von Amerika (7,106).

Bei den Einzelvoltigierern freuten sich die Athleten von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg am Ende sowohl bei den Herren als auch den Damen jeweils über einen Dreifach-Triumph. Dabei sicherte sich Kristina Boe aus Hamburg ihren zweiten CHIO-Triumph nach 2016. Die 30-jährige Unfallchirurgin vom Reit- und Fahrverein Kirchwärder war mit Platz zwei in der Pflicht (8,019) in den Wettkampf gestartet. Mit dem Sieg im Technikprogramm (7,807) legte sie gemeinsam mit ihrem Pferd Don de la Mar und Longenführerin Winnie Schlüter die Weichen, mit einem weiteren Sieg in der abschließenden Kür (8,73) setzte sich die amtierende Europameisterin und Weltcup-Siegerin deutlich von der Konkurrenz ab und kam im Gesamtklassement auf 8,186 Zähler. Dabei überzeugte Boe das Aachener Publikum mit ihrer Choreografie, in der sie sich von der britischen Verhaltensforscherin Jane Goodall inspirieren ließ, die im Afrika der 1970er-Jahre maßgebliche Erkenntnisse über das Verhalten von Schimpansen gesammelt hat – und das ausgerechnet am heutigen Welt-Schimpansen-Tag. „Das kann kein Zufall sein“, hatte die strahlende Siegerin bereits vor ihrer Kür angedeutet. Die Wahl ihrers Kürthemas war ihr eine Herzensangelegenheit. „Ich fand die Idee schön, die positiven Botschaften dieser beeindruckenden Frau weitergeben zu können.“
Im Anschluss an ihren Auftritt zeigte sich die Hamburgerin überglücklich. „Ich bin unheimlich froh, dass wir hier das erste Mal in diesem Jahr drei gute Runden zeigen konnten und dass die Programme von diesem Jahr nicht nur mir unheimlich viel Spaß machen, sondern auch dem Publikum und den Richtern. Das ist ein saugutes Gefühl. Der Sieg beim CHIO ist für jeden Voltigierer ein Meilenstein in der Karriere und ich bin dankbar, mich hier bereits das zweite Mal verewigen zu können. Und das mit so einem klaren Sieg. Dieses Gefühl ist mein Rückenwind für die Vorbereitung auf die Weltreiterspiele, die wir nach einer kurzen Verschnaufpause voller Energie angehen“, berichtete Boe.
Auch die weiteren Podestplatze gingen an deutsche Athletinnen. Sarah Kay aus Münster kam bei ihrem ersten Turnier nach einer Verletzungspause mit ihrem Pferd Sir Valentin und Dr. Dina Menke an der Longe auf Rang zwei (7,927). Janika Derks vom RSV Neuss-Grimlinghausen, die zum Auftakt die Pflicht gewonnen hatte, komplettierte das schwarz-rot-goldene Podest mit einer Wertnote von 7,902 Punkten. Die Rheinländerin war mit Carousso Hit und Trainerin Jessica Lichtenberg im Aachener Zirkel unterwegs. Die Plätze vier und fünf ginge an die Italienerinnen Anna Cavallaro (7,809) und Silvia Stopazzini (7,728). Corinna Knauf aus Köln landete mit Fabiola und Longenführerin Alexandra Knauf auf Platz sechs (7,688).

Bei den Herren konnte Thomas Brüsewitz seinen dritten CHIO-Triumph in Serie einfahren. Der 24-Jährie Sportstudent aus Köln turnte sich auf dem Rücken von Danny Boy OLD – longiert von Patric Looser – zum Auftakt mit der Pflicht (8,227) an die Spitze des Feldes. Mit Rang drei im Technikprogramm (7,679) und dem Sieg in der abschließenden Kür (8,752) – in der er den Versicherungsangestellten Truman Burbank aus dem Spielfilm „Die Truman Show“ verkörpert – verbuchte Brüsewitz im Endergebnis 8,219 Zähler und machte damit seinen Hattrick perfekt und sicherte sich der Ausnahme-Athlet wie schon 2016 und 2017 den CHIO-Titel. „Aachen ist definitiv mein internationales Lieblingsturnier“, sagte der Sieger. In der Anzahl der Siege in der Soers rangiert nun nur noch Co-Bundestrainer Kai Vorberg (2007 bis 2010) vor Brüsewitz.
Ebenfalls stark zeigte sich Jannik Heiland. Der Sieger des CVI Krumke kam in allen drei Umläufen auf den zweiten Platz und landete mit seinem Pferd Dark Beluga und Longenführerin Barbara Rosiny im Endergebnis bei 8,168 Punkten. Sportsoldat Jannis Drewell rangierte mit seinem Pferd Qualimero und seiner Mutter Simone Drewell an der Longe auf Platz drei (8,023). Auf den weiteren Rängen folgten der Vize-Weltmeister Vincent Haennel (7,911), der Ungar Balázs Bence (7,658) sowie Dominik Eder aus Österreich (7,502). Viktor Brüsewitz als vierter deutscher Teilnehmer kam mit Claus und Longenführerin Gesa Bührig auf Rang zehn (7,071).

Im Pas-de-Deux gab es zum Auftakt des Turniertages in der Albert-Vahle-Halle im ersten Wertungsdurchgang ein Feuerwerk an Voltigierkunst. Das Starterfeld im Zirkel der Albert-Vahle-Halle war extrem hochkarätig. In Führung liegen die amtierenden Weltcup-Sieger Torben Jacobs und Theresa-Sophie Bresch vom VV Köln-Dünnwald. Mit Danny Boy OLD und Longenführerin Alexandra Knauf kamen die Rheinländer auf 8,63 Punkte. Damit verwiesen die Deutschen die amtierenden Europameister Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini aus Italien auf Platz zwei (8,479). Auf Podest-Kurs rangieren auch die Westfalen Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes, die mit Caram OE und Longenführerin Claudia Döller-Ossenberg-Engels zu 8,371 Punkten voltigierten. Etwas abgeschlagen auf Rang fünf (7,793) liegen die Krumke-Sieger Janika Derks und Johannes Kay aus Neuss, die heute auf ihrem Pferd Dark Beluga nicht ihre gewohnte Höchstleistung abrufen konnten.

Das CVIO in Aachen geht am morgigen Sonntag in seinen finalen Wettkampftag. Um 10 Uhr steigt das Finale im Pas-de-Deux. Ab 13.15 Uhr folgt der Kürwettbewerb der nicht für den Nationenpreis qualifizierten Mannschaften. Um 14.25 Uhr steht der mit Spannung erwartete Nationenpreis auf dem Programm, der live im WDR übertragen wird und von der Neusser Erfolgstrainerin Jessica Lichtenberg als Co-Moderatorin begleitet wird. Für Deutschland I gehen an den Start: Kristina Boe, Jannik Heiland und das Team Fredenbeck. Deutschland II wird vertreten vom Thomas Brüsewitz, Sarah Kay und dem Team Norka des VV Köln-Dünnwald.