EM/U18-WM Ebreichsdorf: Nordheim geht in Führung

Team NORKA aus Köln-Dünnwald auf Platz drei / Junior-Pas-de-Deux Kähler und Kögl auf Platz zwei

Ebreichsdorf. Die deutschen Voltigierer von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg haben am zweiten Wettkampftag des Doppel-Championat (EM der Senioren / WM der Junioren) im österreichischen Ebreichsdorf insgesamt sehr gute Runden im Zirkel abgeliefert. Besonders erfreulich aus schwarz-rot-goldener Sicht: Das Juniorteam Nordheim liegt nach dem heutigen Pflichtauftakt mit über drei Zehntel Punkten in Führung. Das Team NORKA des VV Köln-Dünnwald rangiert auf Platz drei. Bei den Einzelvoltigierern überzeugten vor allem Franziska Peitzmeier (Langenberg) und Gregor Klehe (München). Im Junioren-Pas-de-Deux erarbeiteten sich Ronja Kähler und Julian Kögl mit Platz zwei eine hervorragende Ausgangsposition für das Finale.

Bei den Baden-Württembergern gab es in einem ansonsten sehr sauberen Durchgang nur kleine Unsicherheiten in der Ausführung. Mit dem zehnjährigen Oldenburger Humphrey Bogart – aus dem Besitz der Familie Schlumbohm und hervorragend im Zirkel präsentiert von Trainerin Andrea Blatz – kamen die U18-Athleten, die Deutschland erstmals bei einem Championat vertreten, auf insgesamt 7,358 Punkte und holten damit den deutlichen Tagessieg. An die Leistung der Voltigiererinnen Solveig Blankenhorn, Melanie Eger, Lara Häussermann, Anne Schlumbohm, Mara Xander, Charlene Zweininger – die in dieser Saison bereits mit den Siegen bei den internationalen Turnieren in Ermelo und Bern sowie beim Preis der Besten in Warendorf glänzten – kamen die weiteren zwölf vertretenen Nationen bei diesem kontinentalen Championat nicht heran. Die als Mitfavoriten geltenden Österreicher vom Club 43 voltigierten bei ihrem Heimspiel im Süden von Wien zu 7,025 Zählern. Rang drei erklommen die Vertreter vom Voltigierverein Tösstal aus der Schweiz (6,856), gefolgt von den USA (6,482) und der Tschechischen Republik (6,467). Bundestrainerin Ulla Ramge zeigte sich zufrieden: „Wir freuen uns über die Leistung von Nordheim, konzentrieren uns aber gleichzeitig schon direkt auf einen sauberen Kürdurchgang.“

Bei den Seniorteams kam es zum mit Spannung erwarteten Pflicht-Dreikampf der Nationen Deutschland, Österreich und Schweiz. Das Team Wildegg aus Österreich legte zunächst mit einer nahezu perfekten Runde auf Alessio L’Amabile 7,652 Punkte vor. Die unmittelbar darauffolgenden Voltigierer vom Team NORKA des VV Köln-Dünnwald – die ihre Nation erstmals seit 1999 wieder bei einem Championat vertreten dürfen – hielten dem enormen rot-weiß-roten Druck im schwülwarem Hexenkessel des Pferdesportparks Magna Racino in beeindruckender Manier stand. Die Mannschaft von Ex-Weltmeister Patric Looser – amtierender Deutscher Meister – turnte auf dem Rücken von Danny Boy zu 7,588 Zählern. Damit rangiert die Gruppe aus dem Rheinland – in der personellen Zusammensetzung: Torben Jacobs, Thomas Brüsewitz, Corinna Knauf, Justin van Gerven, Miro Rengel und Jana Zelesny – mit ihrem 15-jährigen in Oldenburg gezogenen Danny-Wilde-Sohn lediglich 0,064 Punkte hinter den Gastgebern. Im Anschluss sicherte sich dann die Mannschaft aus Lütisburg mit ihrem neuen Pferd Rayo de la Luz mit der konstantesten leistung aller Teams den deutlichen Tagessieg. Die Equipe von Trainerin Monika Winkler-Bischofberger kassierte vom sechsköpfigen Richtergremium 7,848 Punkte – und damit 0,26 Zähler mehr als Köln-Dünnwald. Die weiteren Plätze gehen vor den beiden folgenden Kürumläufen an die weit abgeschlagenen Teams aus den Niederlanden (7,071), Weltmeister Frankreich (7,043) und Italien (7,007). Alle anderen Mannschaften liegen weit abgeschlagen. Aich hier blickt Bundestrainerin optimistisch auf die weiteren Wettkampftage. „Das Team NORKA hat sich gut eingereiht und sich damit eine gute Ausgalngslage für die nun folgenden Küren geschafften.“

Nach der ersten Kür der U18-Damen liegt die Westfälin Franziska Peitzmeier mit ihrem Pferd Dorian Grey und Longenführerin Anna Brinkmann weiterhin auf einem aussichtsreichen Medaillenrang. Die 17-Jährige aus Langenberg – die bei der U18-WM-Premiere 2015 bereits Silber geholt hatte – erhielt heute mit 7,933 Punkten die zweitbeste Kürwertung des Tages und behielt damit Rang zwei (7,755). Lediglich die Österreicherin Nicole Brabec (7,872), die auch die heutige Kür gewann, liegt vor der Deutschen. Rang drei belegt aktuell die Schwedin Johanna Lindberg (7,595), gefolgt von Österreichs Lena Birkenau (7,565). Hannah Steverding aus Herxheim konnte mit ihrem Pferd Celebration und Longenführerin Alexandra Dietrich ihren fünften Platz mit einer Kürwertung von 7,498 Punkten verteidigen (gesamt 7,442). Die amtierende Junioren-Europameisterin Mara Xander konnte auch in der Kür (7,2) mit Luigi und Longenführerin Andrea Blatz nicht an ihre gewohnten Leistungen anknüpfen, verbesserte sich aber dennoch um zwei Plätze auf Rang sieben (7,144) und liegt damit hinter der Schweizerin Sarah Linder (7,425).

Bei den Herren gelang allen Vertretern des Bundesadlers eine tolle Vorstellung. Resultat: Die Deutschen gehen auf den Plätzen zwei, drei und vier ins Finale der Top 15. Vor allem Gregor Klehe vom VV Ingelsberg zauberte heute mit seinem Pferd Adlon und Longenführer Alexander Hartl eine Glanzvorstellung in den Zirkel. Mit 8,176 Punkten musste sich der 16-Jährige lediglich dem Titelverteidiger Juan Martin Clavijo aus Kolumbien geschlagen geben (8,255), der auch im Gesamtranking führt (8,025). Klehe verbesserte sich um zwei Ränge und folgt Clavijo nun mit 7,762 Punkten auf Rang zwei, dicht gefolgt von Philipp Stippel. Der Westfale, der nach der Pflicht bereits auf Platz drei lag, voltigierte heute zu 7,689 Kürpunkten und steht im Gesamtklassement bei 7,643 Zählern. Jannik Liersch folgt mit 7,626 auf Platz vier. Der 15-Jährige aus Planegg zeigte auf Adlon die drittbeste Herren-Kür. Der Italiener, der am Vortag noch auf Platz zwei lag, fiel auf Rag fünf ab (7,594). Prognose: Unter normalen Umständen sollte das führende Quintett mit den verbleibenden beiden Durchgängen (erneut Pflicht und Kür) die Medaillen unter sich ausmachen können.

Den Abschluss des Tages machten die Teilnehmer des Junioren-Pas-de-Deux mit ihrer ersten Kür. Den Sieg holten die Österreicherinnen Anna Krippl und Viktoria Feldhofer mit 7,86 Punkten. Dahinter landete Deutschland. Allerdings nicht Philine Lindhorst und Katharina von Eynern, die Preis-der-Besten-Sieger aus Hamburg. Das Duo aus dem Norden kam zum WM-Auftakt auf dem Rücken von Rockard – longiert von Winnie Schlüter – nicht mit der gewohnten Leichtigkeit durch das Programm und rangiert aktuell mit 7,535 Punkten mit leichtem Rückstand auf die Spitze auf Platz fünf. Souveräner präsentierten sich diesmal Ronja Kähler und Julian Kögl. Das Pas-de-Deux aus Brandenburg, das im bayrischen Ingelsberg trainiert, überzeugte auf Daytona an der Longe von Lars Hansen mit großer Präsenz und kassierte 7,847 Punkte – und damit nur 0,013 Punkte hinter den führenden Österreichern. Damit hat der 16-jährige Kögl, der im Vorjahr mit Diana Harwardt den EM-Titel in Le Mans holte, nun mit der 14-jährigen Kähler gute Chancen auf seine zweite Medaille bei seinem zweiten Championat.

Das Championat in Ebreichsdorf geht am morgigen Freitag in die dritte Runde. Dann stehen ab 9 Uhr die Küren der Juniorteams auf dem Programm. 11 Uhr folgen die Senioren-Pas-de-Deux, um 13 Uhr die Pflichten der Junioren. Um 15.15 Uhr zeigen die Senior-Damen ihre ersten Küren, die Herren folgen um 17.15 Uhr. Live übertragen wird das Event im Internet unter https://tv.fei.org