Sir Bernhard RS vd Wintermühle lebt nicht mehr

Warendorf. Große Trauer bei Familie Vorberg in Warendorf. Am Mittwoch, den 4. Juli 2018, hat „Sir Bernhard RS vd Wintermühle“ zum letzten Mal seine Augen geschlossen. Nach einem schweren Befund am Bewegungsapparat und langer Therapie-Phase wurde im Rahmen einer abschließenden Arthroskopie festgestellt, dass die Heilung des ehemaligen Voltigierpferdes vom langjährigen Ausnahme-Voltigierer Kai Vorberg nicht den erhofften Verlauf nahm und dass das Pferd weiterhin Probleme haben und starke Bewegungseinschränkungen behalten würde. Gemeinsam mit den Tierärzten traf die Familie Vorberg die schwere Entscheidung, dem Schimmel unter diesen Umständen weitere Strapazen des Aufwachens und ein beschwerliches Leben unter starken Einschränkungen zu ersparen.


„Wir haben uns sehr schwer getan mit dieser Entscheidung und sind froh, dass uns drei Tierärzte in diesem kraftraubenden Prozess begleitet haben. Als Pferdeleute haben wir immer die Verpflichtung, uns für das Pferd zu entscheiden und wir müssen unsere eigenen Hoffnungen und Träume hinten anstellen. ‚Schimm‘ sollte nicht leiden müssen. Er wird mit seiner unnachahmlichen Art in unseren Herzen bleiben“, schrieb ein zutiefst bestürzter Kai Vorberg in einer offiziellen Stellungnahme.

Der 16-jährige Oldenburger (von Sunny Boy) war über zehn Jahre im Voltigiersport erfolgreich. Er errang für Kai Vorberg unter anderem zwei Siege beim CHIO Aachen, zwei Goldmedaillen bei Deutschen Meisterschaften und zwei Silbermedaillen auf Championaten – Vize-Europameister 2009 sowie Vize-Weltmeister 2010 bei den Weltreiterspielen in Kentucky. Hinzu kamen zahlreiche nationale und internationale Siege.

Nach dem Ende der aktiven Karriere seines Ausbilders und Besitzers Vorberg stand Sir Berhard RS vd Wintermühle für zahlreiche deutsche Kadervoltigierer zur Verfügung und feierte mit diesen ebenfalls Erfolge, unter anderem mit Sarah Kay, Erik Oese und Daniel Kaiser. Zuletzt trug der 1,84 Meter große Schimmel den Sportsoldaten Miro Rengel. Dem Kölner verhalf Sir Bernhard zum Vize-Europameister bei den Junioren 2014, zum Deutschen Meister der Junioren im gleichen Jahr und ab 2015 bis 2017 zu einem erfolgreichen Einstieg in das Senior-Lager der Herren.

Longiert wurde der „Eisberg auf vier Beinen“ anfangs von Alexandra Knauf, unter Kai Vorberg von Kirsten Graf, dann von Vorberg selbst und ab 2013 von seiner Ehefrau Nina.

Neben dem Sport machte der großrahmige Schimmel auch in der Show-Szene von sich reden. So war er vier Jahre in der Hop-Top Show der EQUITANA spektakulär z. B. unter einem Surfsegel, beim Voltigieren mit Einerwechseln oder zwischen einem vollgepackten Bühnenbild mit Original-Akteuren des Kölner Rosenmontagszuges als besonderes Highlight zu sehen.

2007 wurde der weiße Riese von Reinhold Strang für das Voltigieren in Köln-Dünnwald und für Kai Vorberg erworben. Bereits 7-jährig ging das 2002 geborene, nervenstarke Naturtalent international. 2010 gewann er als erstes und bisher einziges Voltigierpferd überhaupt den Titel zum „Pferd des Jahres“ der Zeitschrift ReiterRevue. Anlässlich der Ehrung in Balve für diese einzigartige Auszeichnung ging das absolute Verlasspferd als Anerkennung für die gemeinsam errungenen Erfolge in den Besitz von Kai Vorberg über und zog auch mit der Familie von Köln nach Warendorfs, als Vorberg seine Tätigkeit als Disziplintrainer Voltigieren sowie als Mitarbeiter der FN-Abteilung Ausbildung und Wissenschaft aufnahm. In Warendorf stand Sir Bernhard bis zuletzt und wurde stets von Familie Vorberg betreut.

Kai Vorberg findet bewegende letzte Worte für seinen langjährigen Partner: „Wir sind einerseits unglaublich traurig, andererseits aber auch dankbar und glücklich, dass er bis zuletzt sein Leben so normal wie möglich leben konnte. Er hatte immer Spaß an seinem Sport und war ein seiner Umwelt, seinen vierbeinigen Kollegen und seinen Menschen gegenüber sehr aufgeschlossenes Pferd. Mit ihm geht ein Stück ‚altes Leben‘ der Familie Vorberg, da meine Frau uns kennen gelernt hat, als ich noch Athlet war. Unser Schimmel hat im Grunde auch an der Entwicklung unserer Beziehung, unserer Ehe und unserer Familie insgesamt einen großen Anteil. Dass er unsere Kinder noch miterlebt und auch ihnen so tolle Momente beim Voltigieren und Reiten bereitet hat, ist das schönste, was man sich mit einem Pferd erträumen kann. Danke Schimm-Pimm!“